Vaterunser - gemeinsam

17.03.2018

Rabbiner Moshe Navon (Hamburg) und der Neutestamentler Thomas Söding (Bochum) entwickeln eine Auslegung des Vaterunsers im Dialog. Im Vaterunser fließt das Herzblut Jesu, den Juden als ihren Bruder erkennen können und Christen als ihren Messias bekennen. Das Vaterunser als Gebet des Juden Jesus, das Christen heilig ist – kann es auch ein Gebet sein, das Juden sprechen können? Und können Christen es gemeinsam mit Juden beten? Wie sehen jüdische Menschen dieses Gebet heute, das ihnen oft genug als angeblich überlegenes Beispiel christlichen Betens vorgehalten wurde? Und wie sehen Christen die Juden, die sich ernsthaft um das Vaterunser kümmern? Die helfen, es zu erklären? Und sogar erklären, es mitbeten zu können? Von diesen Fragen und den Versuchen einer Antwort auf sie handelt dieses Buch.

Es ist ein Beitrag zur Vertiefung der jüdisch-christlichen Geschwisterliebe. Es soll jüdischen und christlichen Leserinnen und Lesern einen Zugang zum Vaterunser öffnen, der die Unterschiede zwischen Judentum und Christentum nicht verwischt, sondern als Mittel zu einem tieferen Verständnis sowohl der eigenen als auch der verwandten Religion nutzt. Die Autoren wollen zeigen, dass Christen und Juden mit den Worten des Vaterunsers gemeinsam zu Gott beten können, ohne dass sie aufhören müssen, jüdisch oder christlich zu sein. Ein Beitrag zum jüdisch-christlichen Gespräch – dort, wo das Herz des Glaubens schlägt.

Buchcover

"Lehre uns beten ..."
(Lk 11,1)

2011 hat Moshe Navon, früher Rabbiner in Bochum, jetzt in Hamburg, als jüdischer Theologe am Lehrstuhl Neues Testament bei Prof. Thomas Söding gearbeitet, unterstützt von einem ökumenischen Solidaritätskreis. In dieser Konstellation hat sich ein interreligiöser Dialog in der Theologie entwickelt.
Gleichzeitig hat Wissenschaft sozialpolitisch gewirkt, weil durch die Anstellung das Aufenthaltsrecht Navons und seiner Familie in Deutschland gesichert werden konnte.
Damals ist der Plan gereift, ein gemeinsames Buch über das Beten von Juden und Christen zu schreiben. Jetzt liegt es vor: Das Vaterunser wird jüdisch-christlich ausgelegt - und damit wird gezeigt, dass es für ein gemeinsames Beten gut ist. Im Vorwort erklären die beiden Autoren: "Im Vaterunser fließt das Herzblut Jesu, den Juden als ihren Bruder erkennen und Christen als ihren Messias bekennen können. Eine jüdisch-christliche Exegese des Vaterunsers ist religiöse Herzensbildung. Wenn das Buch in einem solchen Geist gelesen werden könnte, wären wir froh."

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Herder Verlag